| Ensemble, Ausstattung, Puppenspiel, Schauspiel |

Günther Lindner

Puppenspieler, Erfinder, Ausstatter


1948  geboren, die Eltern hatten eine Bäckerei, wächst Günther Lindner in der ländlich geprägten Kleinstadt Mühlhausen in Nordwestthüringen auf. Nach dem Abitur, Konditorlehre und Grundwehrdienst. Ein Studium der evangelischen Theologie in Jena sollte die erhoffte Befreiung von der ideologischen Bevormundung des DDR Regimes und dem bürgerlichen „establishment“ schaffen. Ab 1970 in Jena erste Erfahrungen mit der Welt der Kunst und des Theaters. Nach erfolgtem Examen und anschließendem Vikariat in Halle, 1977 entschloss er sich, die Theologie zu verlassen und sich ganz künstlerischer Arbeit zuzuwenden, zunächst als Eleve am neu gegründeten Staatlichen Puppentheater Neubrandenburg. Drei Jahre später Bühnenreifeprüfung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin. 

In Neubrandenburg lernte er die meisten späteren Mitglieder der Theatergruppe „zinnober“ kennen, denen er sich mit Beginn der Gründung, im Jahr 1980 in Berlin anschloss.

Schon damals prägte sich seine Auffassung von Theater als ein sich ständig wandelnder Prozess, dessen Ergebnisse von der Arbeit im Kollektiv, von biografischen und politisch-sozialen Einflüssen geformt werden. Überwacht, von verschiedenen Organen der Partei- und Staatsführung, konnte sich die Gruppe trotzdem, auch innere Krisen überwindend, bis 1989 erhalten. In dieser Zeit entstanden u.a. stark beachtete und auf Festivals ausgezeichnete Inszenierungen für Erwachsene und Kinder, wie „Einszweidreivierfünfsechssieben“, „traumhaft“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“.

Neben der darstellerischen Tätigkeit wurde das Bildnerische für Günther Lindner fester Bestand seiner Arbeit. Neben der klassischen plastischen Ausformung von Holzfiguren für die Stücke, interessieren ihn immer wieder die überraschenden Lösungen, die durch die Zweidimensionalität von Papier und Flachfiguren erzielt werden können. Auch die pop-up Technik gehört dazu und mechanische Figurengruppen in der theatrum mundi -Tradition.

Seit 1989 hat er die verschiedenen Brüche, die das nunmehr Theater o.N. heißende Haus durchlaufen hat, mitgetragen und mitgestaltet.

 „Ich bin Mitglied des Theater o.N., weil ich ein Mensch mit großem Beharrungsvermögen bin, der erst wenn alle Möglichkeiten aus einer Situation herausgeholt sind, sich für eine Alternative entscheidet.
Ich bin Mitglied des Theater o.N., weil hier, wie mir scheint, die Mitglieder aufgerufen sind, ständig dafür zu sorgen, dass das Gleichgewicht von Freiheit und Bindung gewahrt bleibt.“

 

 

Portraitfoto von Günther Lindner

Günther Lindner