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18.03.2026 | News |

Positionen des Arbeitskreises Berliner Kinder- und Jugendtheater zur Wahl des 20. Berliner Abgeordnetenhaus 2026


Offener Brief vom 15.03.2026 |

Sehr geehrte Kandidat*innen, liebe Parteien,

wir freuen uns über die politische Aufmerksamkeit und die parteiübergreifende Wertschätzung, die das Kinder- und Jugendtheater in den vergangenen Legislaturen erfahren hat. Das ist ein wichtiges Zeichen für unsere Stadt, in der 635.520 Berliner*innen im Jahr 2025 unter 18 Jahre alt waren und damit 16% der Gesamtbevölkerung Berlins stellten.

Unsere Aufgaben, Resonanzräume für Kinder und Jugendliche zu öffnen, kulturelle Teilhabe kontinuierlich auszubauen und gemeinschaftliches Zusammenleben zu erproben, sind wichtiger denn je: Die multiplen Krisen unserer Zeit prägen das Aufwachsen unseres Publikums und stellen es vor enorme Herausforderungen. Dabei sind Kinder und Jugendliche in der Minderheit und machen immer wieder die Erfahrung, dass ihre Stimmen im politischen und gesellschaftlichen Raum nicht oder nur unzureichend gehört werden. So schwindet das Vertrauen junger Menschen in demokratische Prozesse und Institutionen in beängstigendem Umfang.

Um Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, die aktuellen Krisen zu verarbeiten und gestärkt zu bestehen, brauchen ihre Theater, Einrichtungen und Gruppen eine stabile Basis und müssen in ihrer Vielfalt erhalten, gestärkt und ausgebaut werden. Zwar wurde Theater für junges Publikum als kulturpolitische Schwerpunktsetzung von der Haushaltskonsolidierung weniger schwer getroffen, die strukturelle Unterfinanzierung im Vergleich zum Theater für Erwachsene bleibt aber bestehen. Inflation, steigende Tarife und Honoraruntergrenzen haben selbst bei gleichbleibenden Zuwendungshöhen für eine Reduktion des Angebots gesorgt.

Wir schaffen Zugänge: Wir sind der Erstkontakt mit Theater. Wir arbeiten an der Schnittstelle zwischen Kunst, gesellschaftlicher Teilhabe und kultureller Bildung. Publikum von morgen gibt es nur, wenn es wohnortnahe Angebote gibt: Dafür schaffen wir mit unseren vielfältigen Größen, Rechtsformen und Strukturen in allen Bezirken Berlins kulturelle Erlebnisse für junges Publikum. Diese Vielfalt ist eine Stärke der Berliner Kinder- und Jugendtheaterszene und in ihrer Komplexität gleichzeitig eine Herausforderung für das Fördersystem.

Wir sind das Theater von morgen: Das Kinder- und Jugendtheater ist besonders innovativ und zeichnet sich durch eine Vielfalt an Erzählformen, Ästhetiken und Themen aus. In puncto Diversität, Partizipation und Inklusion ist es oftmals beispielgebender Vorreiter. Die Kinder- und Jugendtheater sind zudem unverzichtbar für den künstlerischen Nachwuchs.

Wir praktizieren Partizipation: In unseren vermittelnden und partizipativen Formaten ermöglichen wir Selbstwirksamkeit. Eigenes künstlerisches Schaffen und Reflektieren ist für Kinder und Jugendliche entscheidend, da es Selbstbewusstsein, soziale Kompetenzen (Empathie, Teamwork) und demokratisches Handeln durch Mitbestimmung fördert. Partizipation ermöglicht kreative Selbstentfaltung, stärkt die Identifikation mit Kunst/Kultur und verwandelt junge Menschen von passiv Zuschauenden zu aktiv Gestaltenden.

Wir arbeiten nachhaltig: Kinder- und Jugendtheater spielen in der Regel Repertoire. Viele Stücke bleiben jahrelang im Programm. Das ist extrem nachhaltig, spiegelt sich aber nicht in unseren Budgets: Den meisten Häusern ist es nicht möglich, die Honoraruntergrenzen einzuhalten, sobald Produktionsförderungen auslaufen und die Vorstellungskosten aus den eigenen Mitteln bestritten werden müssen. In einer immer teurer werdenden Stadt führt dies zu immer weniger Vorstellungen.

In unserem Publikum zeigt sich die Vielfalt der Berliner Stadtgesellschaft: Wir arbeiten partnerschaftlich mit Schulen, Kitas und anderen Bildungseinrichtungen und erreichen so mit unseren Vorstellungen Kinder und Jugendliche aller gesellschaftlichen Gruppen, unabhängig vom Bildungshintergrund und vom Geldbeutel der Eltern. Anders als Kulturinstitutionen für erwachsenes Publikum können wir daher aber Finanzierungslücken nicht über erhöhte Eintrittspreise ausgleichen: Bereits jetzt ist jedes vierte Kind in Berlin von Armut bedroht und schon eine geringe Erhöhung würde bedeuten, dass Eltern ihre Kinder eher krankmelden, als sie zum Theaterbesuch zu schicken.

Wir fordern:

  • Kinder und Jugendliche müssen in der Kulturagenda 2035 von Anfang an mitgedacht werden.
  • Die Stärkung der Kinder- und Jugendtheater muss eine Schwerpunktsetzung in den kulturpolitischen Programmen der demokratischen Parteien und im zu verhandelnden Koalitionsvertrag bleiben.
  • Theater und Tanz für junges Publikum muss dieselben Produktionsbedingungen und Mittel wie Theater für erwachsenes Publikum erhalten. Kinder- und Jugendtheater müssen in die Lage versetzt werden, Tarif- und Honorarverordnungen bzw. Honoraruntergrenzen konsequent einhalten zu können. Dafür braucht es eine Erhöhung der Mittel.
  • Bestehende Räume müssen gesichert, dezentrale Spiel-, Produktions- und Aufführungsstätten weiter ausgebaut werden.
  • Der Etat des JugendKulturServices muss erhöht werden, um Theaterbesuche für Schulen und Kitas bezahlbar zu halten und damit zu ermöglichen. Insbesondere die Freikartenregelung für Begleitpersonen sowie die Besucher*innenförderung von derzeit nur 2 € pro Ticket müssen dringend an die real gestiegenen Ticketpreise angepasst werden.
  • Für Kontinuität und eine angemessene Größe des Angebots für Kinder und Jugendliche muss eine größere Unabhängigkeit der künstlerischen Arbeit von Drittmitteln, eine anteilige Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtheaters bei Förderentscheidungen in allen verfügbaren Instrumenten sowie eine einfachere bzw. unbürokratische Drittmittelbeantragung und -bewirtschaftung erreicht werden.

Der Arbeitskreis der Berliner Kinder- und Jugendtheater bietet der Kultur- und Bildungsverwaltung als auch dem Parlament mit seinen entsprechenden Ausschüssen strategische und praxis- orientierte Beratung für die Sicherung des Theaterangebots für junge Berliner*innen. Wir freuen uns auf den Austausch und die gemeinsame Arbeit und senden Ihnen die besten Wünsche für die Wahl!

>>> zum Positionspapier und zu den Unterzeichnenden