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27.04.2021 | News |

Positionspapier der Berliner Kinder- und Jugendtheater


Sehr geehrte Kandidat*innen, liebe Parteien,

In den vergangenen vier Jahren ist es der rot-rot-grünen Koalition und Kultursenator Dr. Klaus Lederer mit breiter politischer Zustimmung gelungen, deutliche Impulse für die Teilhabe junger Menschen an Kunst und Kultur zu setzen: Die Erhöhungen der Etats der institutionell geförderten Theater, ein Aufwuchs in der Konzept- und Basisförderung, die Schaffung neuer Fördertöpfe sowie die Intensivierung des Dialogs mit der Politik schaffen strukturelle Sicherheit und bestärken die Akteur*innen in der Arbeit für das junge Publikum.

Aktuell leiden auch junge Menschen stark unter den Folgen der Corona-Pandemie:

Erschwerte Lernbedingungen, Beschränkungen der sozialen Kontakte und eingeschränkte Kultur- und Freizeitaktivitäten stellen für Kinder- und Jugendliche enorme Belastungen dar. Es droht eine Generation abgehängt zu werden.

Kulturelle Teilhabe kann ein Baustein sein, dem entgegen zu wirken. Wir, die Kinder- und Jugendtheater des Landes Berlins, sind bereit die Generation Corona dabei zu unterstützen, die Krise zu bewältigen. Um diese Aufgabe nachhaltig bewältigen zu können, muss die Stärkung der Kinder- und Jugendtheater konsequent und mit gleicher Energie fortgesetzt werden, wie es in der vergangenen Legislaturperiode begonnen wurde.

Wir haben 9 Punkte zusammengestellt, wie Sie die Kinder- und Jugendtheater in den nächsten vier Jahren weiter in ihrer gesellschaftlichen Funktion und künstlerischen Entwicklung stärken können.

Herzliche Grüße und alles Gute für die Wahl!

 

Gespräch mit Tim Sandweg, dem Chef der Berliner Schaubude, rbb Kultur:
https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/der_tag/archiv/20210428_1600/kultur_aktuell_1745.html?fbclid=IwAR1L0d4whgTVIu-j9vVCWqBVj0bnEMB2s1KX8KZDnhh3tlBotxeQs_sUGzw

 

Positionen des Arbeitskreises der Berliner Kinder- und Jugendtheater zur Wahl des 19. Berliner Abgeordnetenhaus 2021

 

Sehr geehrte Kandidat*innen, liebe Parteien,

wir haben Ihnen 9 Punkte zusammengestellt, wie Sie die Kinder- und Jugendtheater in den nächsten vier Jahren weiter in ihrer gesellschaftlichen Funktion und künstlerischen Entwicklung stärken können:

 

1.     Die Folgen der Pandemie überwinden – mit kultureller Teilhabe!

Kinder und Jugendliche haben das Recht, auch und gerade in Krisenzeiten, Zugang zu Kunst und Kultur zu erhalten: Die Künste sind nicht nur zentrale Ausdrucksform des menschlichen Seins, sondern auch Ort der kritischen Reflexion und Grundlage für ein gesundes soziales Miteinander. Gleichzeitig sind aber die Künste besonders verletzlich: Sie sind wirtschaftlich stark von der aktuellen Krise betroffen und es wird verstärkte Anstrengungen bedürfen, um Bildungseinrichtungen und Familien wieder für den Theaterbesuch zu begeistern.

Wir fordern: 

-        dass die Pandemie nicht zu finanziellen Einbußen bei Kinder- und Jugendtheatern führt – im Gegenteil, Theater, Einrichtungen und Gruppen müssen gestärkt werden, um Kindern und Jugendlichen zu helfen, die Krise zu bestehen und zu verarbeiten:

(1.) Angebote der kulturellen Teilhabe werden unterstützt, damit sie trotz eingeschränkter Besucherzahlen wirtschaftlich leistbar sind. 
(2.) Sonderausgaben für die Wiedereröffnung unter Pandemiebedingungen beispielsweise für Tests, medizinische Gesichtsmasken etc. werden mitgetragen. 
(3.) Initiativen zur Überwindung pandemiebedingter Barrieren wie der Kulturbus werden gefördert. 
(4) dass der Arbeitskreis bei der Entwicklung von Öffnungsstrategien beteiligt wird.

 

2.     Keine halben Portionen

Mit über 500.000 Besucher*innen pro Jahr tragen Kinder- und Jugendtheater wesentlich dazu bei, Tanz und Theater als Kulturtechnik und wichtigen Impulsgeber für ästhetische, sprachliche, soziale und politische Bildung allen Berliner*innen zugänglich zu machen. Trotzdem zeigt die 2018 von der Senatsverwaltung für Kultur beauftragte Evaluation der Berliner Kinder- und Jugendtheater deutlich, dass alle Theaterschaffende, deren Kunst sich an junge Menschen richtet, im prekären Bereich arbeiten – egal ob an großen Institutionen oder in kleinen freien Strukturen. 

Wir fordern: 

-        dass sich der Anteil für Kinder- und Jugendkultur innerhalb der öffentlichen Förderung des Landes Berlin prozentual am Bevölkerungsanteil von jungen Menschen orientiert: 
(1.) Der Förderungsanteil von Kultur für Kinder- und Jugendliche beträgt mindestens 18% des Berliner Kulturetats. 
(2.) Mindestens 18 % der Budgets von Preisen und Förderungen werden an Projekte vergeben, die sich an Kinder und Jugendliche richten. 
(3.) In Fachjurys bei der Vergabe von Preisen und Förderungen ist mindestens ein*e Expert*in für Kinder- und Jugendkultur vertreten.

-        dass angesichts der besonderen Bedeutung für die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wie auch für die Publikumsentwicklung insgesamt Theater für junges Publikum dieselben Produktionsbedingungen und Mittel wie Theater für erwachsenes Publikum erhalten.

-        die aktuellen Tarif- und Honorarverordnungen (TV-L, NV-Bühne) bzw. die empfohlenen Honoraruntergrenzen des LAFT Berlin konsequent einhalten zu können. Zusätzlich müssen Kinder- und Jugendtheater perspektivisch finanziell so ausgestattet werden, dass sie Einstiegsgehälter auf das Niveau vergleichbarer Entgeltgruppen (Qualifizierungseckpunkte TV-L/TVöD) anheben können.

 

3.     Kunst kostet Geld

Insbesondere kleine, mittlere und mobile Theater sowie freie Gruppen und Einzelkünstler*innen sorgen für den Erstkontakt mit den Künsten und ein vielfältiges Angebot. Fördermaßnahmen, die die speziellen Bedürfnisse und Produktionsweisen dieser Theaterschaffenden berücksichtigen, gibt es aber immer noch zu wenig. Der jahrelange Sparkurs und der Abbau von Personal haben an den großen Häusern zu Investitionsstau und einer Verringerung der Produktionsetats geführt, der trotz Ausgleich der Tariferhöhungen noch lange nicht aufgeholt ist.

Wir fordern: 

-        dass die Basisförderung und die Projektförderungen weiter aufgestockt werden und die Produktionsorte und Spielstätten gestärkt werden.

-        die Verstetigung des neuen Titels 68611 Zuschüsse an Kinder-, Jugend- und Puppentheater sicherzustellen und bei der Entwicklung der Vergabeverfahren die Künstler*innen in Form von Beteiligungsformaten miteinzubeziehen. 

-        auch an den großen Häusern neben einem Ausgleich der Kosten- und Lohnsteigerungen, zusätzliches Personal, angemessene Produktionsmittel, Mittel für strategische Aufgaben sowie Investitionen in die Infrastruktur. 

 

4.     Räume schaffen Luft

Um die Versorgung mit Tanz- und Theaterangeboten für Kinder und Jugendliche in allen Bezirken und auch in den sogenannten „weißen Flecken“ sicherzustellen und auszubauen, bedarf es geeigneter Räume mit professionellen Aufführungsbedingungen, technischer und personeller Infrastruktur sowie Programmmitteln für Werbung und Honorare. Um die darstellenden Künste für ein junges Publikum vielfältig weiterzuentwickeln, ist ein zentrales Produktionshaus für Kinder- und Jugendtheater ergänzend notwendig.

Wir fordern:

-        die Sicherung bestehender Räume und die Weiterentwicklung dezentraler Spiel-, Produktions- und Aufführungsstätten.

-        dass Sie Pläne für ein zentrales Produktionshaus des Kinder- und Jugendtheaters voranbringen.

 

5.     Nachwuchs ist wie Himbeereis mit Sahne

Im Einklang mit der Evaluation der Kinder- und Jugendtheater sehen wir großen Bedarf in der Nachwuchsförderung: Um junge Kolleg*innen zu motivieren, Tanz, Musik und Theater für junges Publikum in den unterschiedlichsten Formen anzubieten, bedarf es einer Perspektive, sich künstlerisch im Bereich Kinder- und Jugendtheater zu entwickeln und von der Arbeit leben zu können.

Wir fordern:

-        eine Unterstützung von Nachwuchsprogrammen – auch an den Theatern.

-        sich der Forderung des Deutschen Kulturrates anzuschließen und die Darstellenden Künste für junges Publikum in der Aus- und Weiterbildung der diversen Berufsfelder wie bspw. Choreografie, Dramaturgie, Figurenspiel, Regie, Schauspiel, Tanz, Theaterpädagogik und Musik zu verankern.

 

6.     Zusammen sind wir stark

Kinder- und Jugendtheater arbeiten an der Schnittstelle zwischen Kunst, kultureller Teilhabe und kultureller Bildung. Durch enge Lehrpläne, vor allem aber durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie, wird es immer schwieriger, Lehrer*innen und Erzieher*innen für den Theaterbesuch mit Schul- und Kitagruppen zu motivieren. 

Wir fordern: 

-        die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung auch auf politischer Ebene in Einklang zu bringen.

-        dass der Theaterbesuch nicht von Exkursionsverboten betroffen ist. Wir fordern, dass Theater als außerschulische Lernorte anerkannt werden.

-        die Wiedereinführung von Kontaktlehrer*innen als Ansprechpartner*innen für Theater an den Schulen.

-        die Einbettung von Darstellender Kunst im Kompetenzfeld „Kulturelle Bildung“ im Berliner Rahmenlehrplan und verbindliche Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte und Erzieher*innen. 

 

7.     Einmal ist keinmal

„Der Deutsche Kulturrat fordert Tanz und Theater mit Kindern und Jugendlichen sowie für junges Publikum als kulturpolitische Schwerpunktsetzung in der Theaterlandschaft Deutschlands und in allen Tanz- und Theaterverbänden zu formulieren, auf allen politischen Ebenen zu konzeptionieren und in allen Praxen der Darstellenden Künste umzusetzen, um jedem Kind und jedem Jugendlichen mindestens zwei Mal im Jahr ein Tanz- und Theatererlebnis zu ermöglichen.“

Wir fordern:

-        eine Aufstockung des Etats des JugendKulturService, um wirklich allen Kindern und Jugendlichen mehrmals im Jahr einen Theaterbesuch zu ermöglichen: 
(1.) Die Besucher*innen-Förderung des JugendKulturService wird von 2 Euro auf 3 Euro pro Kind erhöht. 
(2.) Veranstaltungen werden in den Schulverteiler Berlin-Brandenburg aufgenommen. 
(3.) Theater werden bei der Entwicklung digitaler Strategien und Plattformen für Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen miteinbezogen. 
(4.) Perspektivisch kommt der Kulturrucksack: Zwei Theaterbesuche pro Jahr, verbindlich, umsonst. Für alle Berliner Schüler*innen und Kita-Kinder.

 

8.     Ohne Fleiß kein Preis

Um sich als Hauptstadt des Kinder- und Jugendtheaters zu etablieren, braucht es öffentlichkeitswirksame Foren und Veranstaltungen, die dem Austausch zwischen Publikum und Fachleuten auf nationaler und internationaler Ebene dienen. 

Wir fordern:

-        den IKARUS-Preis als berlinweiten Preis und den Brüder-Grimm-Preis als bundesweiten Preis durch finanzielle Zuwendung öffentlichkeitswirksam auszubauen. 

-        die Schaffung von Strukturen, damit die bestehende, vielfältige Festivalkultur verstetigt und gestärkt wird und damit sich neue Festivals etablieren können. 

9.     Geballte Kompetenz

In der Pandemie wurde deutlich, dass in Zukunft die Besonderheiten der Kinder- und Jugendtheater in der Planung stärker mitgedacht werden müssen. 

Wir fordern:

-        eine vollwertiges Referat 1D für Kinder- und Jugendkultur. Dies würde auch der gewachsenen Bedeutung der Kultur für Kinder und Jugendliche gerecht werden. 

Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Unterstützung in der nächsten Legislaturperiode und sind gerne zu Gesprächen bereit. 

 

Berlin im April 2021 

 

Die Positionierungshilfe wurde vom Arbeitskreis der Berliner Kinder- und Jugendtheater erarbeitet. In diesem organisieren sich die AG Puppen- und Figurentheater sowie der Runde Tisch der freien Kinder- und Jugendtheater im Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V. (LAFT Berlin) und die institutionell geförderten Kinder- und Jugendtheater Berlins.

 

ATZE Musiktheater, Thomas Sutter
Figurentheater, Ute Kahmann
GRIPS Theater, Philipp Harpain & Andreas Joppich
Schaubude Berlin, Tim Sandweg
Theater an der Parkaue, Florian Stiehler
Theater Jaro, Katja Behounek-Pölzer
Theater Morgenstern, Pascale Senn Koch
Theater o.N., Dagmar Domrös & Vera Strobel
Theater Strahl, Wolfgang Stüßel & Karen Giese

 

Weitere nominell unterzeichnende Berliner Kinder- und Jugendtheater aus AG Puppen- und Figurentheater sowie der Runde Tisch der freien Kinder- und Jugendtheater im Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V. (LAFT Berlin):

 

Astrid-Lindgren-Bühne im FEZ-Berlin, Gabriele Hilsberg

Bridge Markland

Das Weite Theater, Björn Langhans

Die Artisanen, Stefan Spitzer und Inga Schmidt

FELD Zentrale für junge Performance, Gabi dan Droste

Figurentheater Grashüpfer, Caroline Gutheil

Figurentheater KAUFMANN & CO., Eva Kaufmann 

Fliegendes Theater, Rudolf Schmid und Peggy Anders
florschütz & döhnert, Melanie Florschütz und Michael Döhnert

Galli Kinder-und Jugendtheater Berlin, Marion Martinez

Il Teatrino degli Errori, Roberta Annecchino

Jugendtheaterwerkstatt Spandau e.V., Julia Schreiner 

KinderMusikTheater e.V., Gabriele Hilsberg

Kranewit Theater, Franziska Hoffmann

LINGULINO – Kindertheater unterwegs, Claudia Maria Franck

LÖWENECKER-THEATERCHEN, Jürgen Rassek

Maria Mägdefrau

Marionettentheater Kaleidoskop, Vera Pachale

Miriam Glöckler, freischaffende Produktionsleitung im Bereich Theater für junges Publikum

Offensive Tanz für junges Publikum, i.V. Canan Erek

Peter Waschinsky

Platypus Theater, Anja & Peter Scollin

puppen.etc, Christiane Klatt

Puppentheater Berlin, Uli Treu und Hella TreuPuppentheater Felicio, Toni Ackermann

PURPLE – Internationales Tanzfestival für junges Publikum, Canan Erek & Inge Zysk

Schlossplatztheater, Birgit Grimm

Stadttheater Cöpenick, Matthias Seidel

TANZKOMPLIZEN, Livia Patrizi

Theaterfenster, Esther Nicklas

THEATERGEIST, Annegret Geist

Theater Couturier, Martina Couturier

Theater Fusion, Susanne Olbrich

Theater Geist, Annegret Geist

Theater Kaleidoskop, Vera Pachale

Theater Miamou, Mirjam Hesse

Theater Siebenschuh, Sabine Kolbe

Theater Tiefflieger, Wolfgang Schneller

TUKI – Theater und Kita, Isabel Feifel & Ann-Marleen Stöckert

TUSCH – Theater und Schule, Dr. Lena Blessing

zirkusmaria, Julia Brettschneider

Zuckertraumtheater, Giuliana Fanelli